Merkwürdige Eheschließungen

 

Am 25. Juli 1857 erschien folgendes in einem Artikel im  Latter-Day Saints Millennial Star:

„Im alten Israel war innerhalb bestimmter Grade der Blutsverwandtschaft die Ehe verboten…

Der Polygamist war nicht nur denselben Einschränkungen sondern noch zusätzlichen Einschränkungen in Bezug auf die Personen unterstellt, die er als zusätzliche Frauen auswählen sollte. Ihm war durch das Gesetz Moses nicht erlaubt, die SCHWESTER seiner FRAU zu heiraten. (Siehe Levitikus 18:18) Auch war ihm nicht gestattet, eine MUTTER UND deren TOCHTER zu heiraten. ‚Heiratet einer eine Frau und ihre Mutter, so ist das Blutschande. Ihn und die beiden Frauen soll man verbrennen, damit es keine Blutschande unter euch gibt. (Siehe Levitikus 20:14) Der polygame Israelite stand unter einem Gesetz, dass ihn auf bestimmte Grenzen beschränkt. Obwohl er das Recht hatte, viele Frauen zu heiraten, so hatte er kein Recht, EINE MUTTER UND EINE TOCHTER zu heiraten ODER ZWEI SCHWESTERN. (Millennial Star, Bd. 19, S. 473-474)

 

Im Jahr 1870 debattierte der Mormonenapostel Orson Pratt im Mormonentabernakel mit Dr. John F. Newman darüber, ob die Bibel die Polygamie gut heißt. Thomas Edgar Lyon machte folgende Bemerkung in Bezug auf diese Debatte:

„Während der drei Tage erzählte Orson Pratt zahlreiche Beispiele von Vielehe im alten Israel und argumentierte, dass Gott sie gut hieß… Dr. Newman baute seine Standpunkt gänzliche auf die marginale Übersetzung von Leviticus 18:18 in der King-James-Version auf: ‚Ihr sollt auch nicht zu einer Frau noch eine hinzunehmen… neben der anderen, während sie noch lebt.’ Dies hielt er für ein absolutes Verbot jeder Art von Vielehe. Orson Pratt kommt dann zum hebräischen Text zurück, um zu beweisen, dass die marginale Übersetzung nicht richtig wäre und dass die regulären Übersetzungen ‚Ihr sollt auch nicht zu einer Frau ihre Schwester nehmen…’- nur ein Verbot gegen das Heiraten von Schwestern – eine buchstäbliche und akkurate Übersetzung des Textes wäre… Mit dem Zusammenbruch von Dr. Newmans marginaler Übersetzung versagte seine Argumentation vollständig.“ („Orson Pratt – Early Mormon Leader“, Seite 104)

Selbst wenn Orson Pratt in diesem Punkt gewonnen haben mag, so bewies er doch, dass die Mormonenpraktik der Polygamie nicht auf dem Alten Testament gegründet war, denn Pratt selbst war schuldig, zwei Schwestern geheiratet zu haben. Der Mormonenschreiber T. Edgar Lyon gibt zu, dass Orson Pratt inkonsequent war: „Diese Kontroverse illustriert auch eine der WIDERSPRÜCHE der Mormonenbehauptung, dass ihre Polygamie biblisch wäre. Sie befolgten nicht die Regeln der Vielehe, wie sie in der Bibel dargelegt werden. PRATT SELBST HATTE ZWEI SCHWESTERN GEHEIRATET. Andere haben dasselbe getan und sogar MÜTTER UND TÖCHTER GEHEIRATET.“ (Ebenda, S. 104)

 

Obwohl die frühen Mormonenführer zur alttestamentarischen Praktik zurückkehren wollten, Ehebrecher zu töten, wollten sie Levitikus 20:14 nicht akzeptieren, wo es heißt, dass, wenn ein Mann „eine Frau und ihre Tochter“ heiratet, sie getötet werden sollten. Wenn sie dies akzeptiert hätten, wäre Joseph Smith einer der ersten gewesen, die hätten sterben müssen, denn er hatte eine Frau geheiratet und ihre Mutter. Fawn Brodie erklärte: „Der Prophet heiratete fünf Schwesternpaare: Delcena und Almera Johnson, Eliza und Emily Partridge, Sarah und Maria Lawrence, Mary Ann und Olive Grey Frost und Prescinda und Zina Huntington. Patty und Sylvia Sessions waren MUTTER und TOCHTER.“ (No Man Knows My History, S. 336)

Die Tatsache, dass Patty und Sylvia Sessions Mutter und Tochter waren wird durch den Mormonenschreiber Claire Noall bestätigt:

“Sylvia Lyon, Pattys Tochter und die FRAU von Windsor J. Lyon waren SCHON AN JOSEPH SMITH GESIEGELT. Heute Nachmittag war es ihre Aufgabe, die HAND IHRER MUTTER IN DIE DES PROPHETEN zu legen.“ (Intimate Disciple, S. 317)

 

Der Soziologe Kimball Young erklärte: „Aus unseren Familienberichten geht hervor, dass 19 Prozent von ihnen berichten, dass die Männer Schwestern heirateten… von diesen 30 Fällen waren außer bei einer Ehe alle Vollschwestern; in diesem einen Fall war es eine Halbschwester. In einer Familie heiratete ein Mann vier Schwestern; in einer anderen nahm er Zwillinge als Nummer eins und zwei und eine Halbschwester als Frau Nummer drei. In einer weiteren heiratete ein Mann zwei Schwestern und ihre verwitwete Mutter!“ (Isn't One Wife Enough?, S. 111)

 

Joseph Carey wollte eine bestimmte Witwe heiraten, aber sie wollte nur zustimmen, wenn er einverstanden wäre, auch ihre beiden Töchter zu heiraten, wenn sie erwachsen wären. Sie waren damals in den frühen Teenagerjahren. Einige Jahre danach heiratete er die Witwe, sie begleitete ihn zum Tempel, wo er seine beiden Stieftöchter am selben Tag heiratete. (Ebenda, S. 142) 

 

Fanny Stenhouse schrieb folgendes: „Es wäre ziemlich unmöglich mit Rücksicht auf Anstand all die schrecklichen Ergebnisse dieses ungnädigen Systems zu erzählen… Es wurden Ehen mit den nahesten Verwandten geschlossen; und alte Männer, die am Rande des Grabes wackelten, sind mit kleinen Mädchen vereint worden, die sich knapp in ihren Teenagerjahren befanden. Während unnatürliche Bündnisse jeder Beschreibung in anderen Gemeinschaften mit Abscheu und Ekel betrachtet würden, werden sie hier im Namen Gottes eingegangen…

Es ist in Utah eine ziemlich übliche Sache, wenn ein Mann zwei oder drei Schwestern heiratet… Ich kenne auch noch einen Mann, der eine Witwe mit etlichen Kindern heiratete; und wenn eine der Mädchen in die Teenagerjahre herangewachsen war, bestand er darauf, sie ebenfalls zu heiraten, indem er vorher mit irgendwelchen Mitteln ihre Zuneigung gewonnen hatte. Die Mutter aber war sehr gegen diese Heirat und schließlich gab sie ihren Ehemann gänzlich an ihre Tochter ab; und bis zum heutigen Tag gebärt die Tochter ihrem Stiefvater Kinder und lebt als Ehefrau im selben Haus mit ihrer Mutter! (Tell It All, 1874, S. 468-69)

 

Stanley P. Hirshon erklärt: “Einige Utah-Ehen waren sogar noch aufsehenerregender. Ein Mann namens Winchester heiratete seine Mutter und Young selbst siegelte eine Mutter und eine Tochter an ihren Cousin Luman A. Shurtliff… Er siegelte auch einen älteren Mann an eine 57 Jahre alte Frau und an ihre vierzehn Jahre alte Enkelin.“ (The Lion of the Lord, S. 126)

Der Antimormonenschreiber Joseph H. Jackson klagte an, dass Joseph Smith „eine Offenbarung vortäuschte, um Frau Milligan, seine eigene Schwester mit sich geistig zu verheiraten.“ (The Adventures and Experience of Joseph H. Jackson ... , 1846, Seite 29) Während diese Erklärung fast unglaublich scheint, gibt es Beweise, dass John Taylor, der der dritte Prädident der Kirche wurde, seiner eigenen SCHWESTER versprach, dass sie für den Fall an gesiegelt werden könnte, dass sie sich nicht damit abfinden könnte, weiter mit irgendeinem ihrer Ehemänner zu leben. L. John Nuttal, ein sehr prominenter Mormone, berichtet folgendes:

 

„Montag, 25. Feb./89.

…Agnes Schwartz & ihre Tochter Mary kamen heute Morgen vorbei, um wegen Familienangelegenheiten Präs. Woodruff zu sehen, wozu er versprach, dass er ihr darüber schreiben würde. Sie sagte, dass IHR BRUDER John, der verstorbene John Taylor, ihr vor ungefähr 30 Jahren gesagt hatte, dass sie, wenn sie es nicht weiter mit irgendeinem ihrer Ehemänner aushalten könnte, sie sich an seinen Bruder William ODER AN IHN SELBST seigeln lassen könnte, und wünscht nun, an ihn gesiegelt zu werden. Dies ist eine sehr MERKWÜRDIGE Vorgehensweise & die ich nicht verstehe.“ (Journal of L. John Nuttal, Bd. 2, S. 362-363 der maschinengeschriebenen Kopie an der Bibliothek der Brigham-Young-Universität)

 

L. John Nuttal erzählt nicht, was geschah, aber wenn die Siegelung tatsächlich stattfand, könnte sich John Taylor der Mormonenlehre gemäß IN DER AUFERSTEHUNG AN SEINE SCHWESTER VERHEIRATET VORFINDEN.


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Das Thema Vielehe wird bei den Mormonen tabuisiert, obwohl sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts zur zentralen Lehre der Mormonenkirche gehörte.
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